Weniger Komatrinken bei Männern – steigende Zahlen bei den Frauen

Heilbronn/Hohenlohe, 12.06.2018. In Baden-Württemberg sinkt die Zahl der Personen, die wegen Alkoholmissbrauch in ein Krankenhaus eingeliefert werden müssen, seit Jahren. So ist die Fallrate der Krankenhausbehandlungen von 2013 bis 2017 landesweit bei den Männern jährlich um 5,4 Prozent und bei den Frauen um 2,4 Prozent gesunken. Für die Region ergibt sich ein etwas anderes Bild: Bei den Frauen nahmen die Behandlungszahlen im gleichen Zeitraum im Landkreis Heilbronn um 2,2, im Stadtkreis Heilbronn um 11 und im Hohenlohekreis um 1,7 Prozent zu, während sie bei den Männern im Landkreis Heilbronn um 11,3 Prozent im Stadtkreis um 9,1 Prozent und im Hohenlohekreis um 0,9 Prozent sanken. Da jedoch wesentlich mehr Männer als Frauen Alkoholmissbrauch betrieben haben, sank die Gesamtrate in Heilbronn und Hohenlohe in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich um 4,3 Prozent.

Noch besser sind die Landes-Daten beim Komatrinken von Jugendlichen: Die Behandlungszahlen in Krankenhäusern sanken in den vergangenen fünf Jahren jährlich um 4,7 Prozent. Hier scheint sich die gute Arbeit der Suchtprävention an Schulen auszuwirken. Ein riskanter Alkoholkonsum ist laut Robert-Koch-Institut bei knapp 16 Prozent der Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren festzustellen, regelmäßiges Rauschtrinken bei 11,5 Prozent.

Im Landkreis Heilbronn mussten im vergangenen Jahr 96 Frauen und 218 Männer – also insgesamt 314 Personen – wegen übermäßigen Alkoholgenusses stationär behandelt werden. Im Jahr 2016 waren es 346 Alkoholkranke, 2015 insgesamt 436 und 2014 noch 377. Im Stadtkreis Heilbronn waren es im vergangenen Jahr 232 Personen, 237 in 2016, 283 in 2015 und 342 in 2014. Im Hohenlohekreis wurden 2017 insgesamt 252 Männer und Frauen, 256 in 2016, 205 in 2015 und 208 in 2014 stationär behandelt. Die Zahlen der AOK gelten als repräsentativ, da sie mit einem Marktanteil von 43 Prozent die größte Krankenkasse des Landes ist.

Erfreulich ist, dass bei der lange Zeit besonders gefährdeten Altersstufe der 15- bis 19-Jährigen weiterhin ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen ist. Während auf dem Höhepunkt der Welle des Komatrinkens bei dieser Altersgruppe in 2011 landesweit noch 1.366 Krankenhausbehandlungen zu verzeichnen waren, fiel hier die Zahl seitdem kontinuierlich auf 979 stationäre Behandlungen in 2017.

Im Stadt- und Landkreis Heilbronn hatte das Komatrinken von Jugendlichen in 2008 mit 55 Krankenhausfällen seinen negativen Höhepunkt und sank von 46 in 2009, 40 in 2010 und 39 in 2011 auf 32 in 2015. Im Hohenlohekreis waren es 23 Jugendliche in 2009, 20 in 2010, 19 in 2011 und 12 in 2015. Seitdem verringerten sich die Behandlungszahlen wegen alkoholbedingter Störungen in diesen Landkreisen auf unter 20 Jugendliche in 2017. AOK-Ärztin Dr. Sabine Knapstein: „Dass die Zahlen seit vier Jahren rückläufig sind, zeigt dass die Präventionsmaßnahmen der Suchtberatungsstellen greifen. Jugendliche trinken seltener Alkohol und das Einstiegsalter verschiebt sich nach hinten“.

Trotz der positiven Entwicklung müsse noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Alkoholmissbrauch stelle nach wie vor eines der gravierendsten Gesundheitsprobleme unserer Gesellschaft dar. Die Behandlungskosten durch Komatrinken beliefen sich im Jahr 2017 landesweit immer noch auf mehr als 5,8 Millionen Euro. „Die AOK Heilbronn-Franken fördert die präventiven Projekte der kommunalen Suchtbeauftragten in den Stadt- und Landkreisen finanziell. Wird ein Jugendlicher mit einer Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus eingeliefert, wird sofort ein Suchtbeauftragter informiert. Dieser kontaktiert den Patienten und leitet Präventionsmaßnahmen ein“, verdeutlicht die Geschäftsführerin der AOK Heilbronn-Franken Michaela Lierheimer.