Trotz hochentwickelter Vorsorgemedizin in der Schwangerschaft sind Untersuchungen des Neugeborenen wichtig und notwendig, um frühzeitig Probleme und Erkrankungen entdecken und erfolgreich behandeln zu können.  Zu den bekannten Routineuntersuchungen eines Neugeborenen gehört eine körperliche Untersuchung kurz nach der Geburt (U1), die von Hebamme oder Arzt ausgeführt werden kann. Natürlich ist es wichtig, dass die Mutter ihr Kind zuerst in die Arme bekommt und die Familie es richtig willkommen heißen und begrüßen kann. Eine zweite körperliche Untersuchung, am besten durch einen erfahrenen Kinderarzt, wird zwischen dem dritten und zehnten Lebenstag empfohlen. Oft geschieht dies unmittelbar vor der Entlassung aus der Geburtsklinik.

Neben diesen einfachen, aber wichtigen Untersuchungen werden auch apparative Analysen und Blutuntersuchungen empfohlen. Ein Hörtest ist wichtig, weil es nicht selbstverständlich ist eine Schwerhörigkeit beim Neugeborenen und Säugling rechtzeitig zu entdecken. Möglicherweise muss – wenn sich das Problem in aufwendigeren Tests in spezialisierten Zentren bestätigt –  bereits im Alter von wenigen Monaten ein Hörgerät verordnet und angepasst werden. Die Untersuchung der Sauerstoffkonzentration im Blut, mit einem am Fuß befestigen Sensor, kann auf bestimmte Herzfehler hinweisen.  Herzfehler können zwar grundsätzlich auch vor der Geburt im Ultraschall erkannt werden, das gelingt aber  – je nach den gegebenen Untersuchungsbedingungen z.B. durch die Position des Kindes – nicht immer. Ist die Sauerstoffkonzentration zu niedrig, führt ein Herzspezialist für Kinder (Kinderkardiologe) eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durch, bei der aber keineswegs immer ein Herzfehler gefunden wird, da es auch andere Gründe für eine niedrige Sauerstoffkonzentration im Blut geben kann. Zum Beispiel brauchen manche Neugeborene auch mal etwas länger, bis die Lunge ganz normal funktioniert.

Im Alter von 27 bis 72 Stunden nach der Geburt wird eine Blutentnahme für eine Serie von Tests für 13 verschiedene Erkrankungen empfohlen, die man äußerlich nicht erkennen kann. Nur Erkrankungen, bei denen eine frühzeitige Entdeckung ganz klar eine Verbesserung für die betroffenen Kinder bringt, darf in diese Testung aufgenommen werden. Die häufigste so entdeckte Erkrankung ist das angeborene Fehlen oder die Unterfunktion der Schilddrüse. Wenn solch ein Problem erst im Alter von 6-12 Monaten erkannt wird, gibt es bereits Entwicklungsrückstände, die nicht wieder aufgeholt werden können. Wird jedoch wenige Tage nach der Geburt die Diagnose gestellt, kann mit einer kleinen Tablette täglich eine völlig normale Entwicklung erreicht werden. Nahezu alle Erkrankungen, die im Screening aufgedeckt werden, können in der Klinik für Kinder und Jugendliche am Diak behandelt werden.Empfehlungen für Screeninguntersuchungen werden nach reiflicher Überlegung und anhand neuester wissenschaftlicher Daten für ganz Deutschland ausgesprochen. Eltern sind daher gut beraten, diese Untersuchungen bei ihrem Neugeborenen auf jeden Fall durchführen zu lassen.

 

Ein Beitrag von Dr. Andreas Holzinger, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche am Diakonie-Klinikum Schwäbisch Hall