Aber was ist eigentlich ein besonderes Kind? Als ich gefragt wurde, ob ich zu diesem Begriff etwas schreiben könnte, habe ich erst gedacht, für Eltern ist doch das eigene Kind immer ein besonderes Kind. Aber dann habe ich überlegt. Ein besonderes Kind ist vielleicht ein Kind, das irgendwie auffällt, nicht in die gängigen Normen passt, einfach etwas Spezielles, Besonderes ist. Und das erinnerte mich an Noah.

Er war damals 16 und kam mit seiner Mutter zu mir in die Praxis. Sie fing sofort an, sich über seine schulischen Leistungen zu beklagen. Er sei nur faul, interessiere sich nicht für die Schule, habe nur Ausreden, mache absolut nichts, außer Ärger, dementsprechend wären auch seine Noten. Ich beobachtete während dieser Ausführungen die ganze Zeit Noah, wie seine Reaktionen waren. Mir war nämlich schon bei der Begrüßung sein, für einen pubertierenden 16-Jährigen, ausgesprochen höfliches, freundliches Benehmen aufgefallen. Auch jetzt ließ er seine Mutter absolut ausreden und zeigte weder ein bockiges noch desinteressiertes Verhalten. Ich begann, ihn zu befragen. Seine Mutter fiel ihm jedoch umgehend mit Widerspruch ins Wort. Mir blieb nichts anderes übrig, als sie zu bitten draußen Platz zu nehmen. Nun fragte ich ihn nochmals zu seiner Sichtweise dieser Vorwürfe. Er räumte ohne Widerspruch ein, dass seine Mutter im Großen und Ganzen Recht hätte, er sich aber total langweilte im Unterricht. Er würde den Stoff innerhalb von Minuten kapieren und drehe aber langsam, durch die ständigen Wiederholungen, hohl. Es sei, wie wenn man ein Buch lese, bei dem sich die Sätze immer und immer wiederholten. Er würde dann einfach abschalten und sich mit etwas anderem beschäftigen und bekäme oft nicht mit, wenn dann mal etwas Neues käme. Nebenbei erwähnte er, dass er als hochbegabt positiv getestet worden sei, aber was helfe es ihm, meinte er resigniert. Er habe inzwischen regelrecht Panik vor den Klassenarbeiten. Es sei auch mal ein Hochbegabtengymnasium zur Diskussion gestanden, aber mit diesen Noten, haben ihm die Eltern erklärt, beweise er nur, dass er alles andere als hochbegabt sei. Sogar die Versetzung sei gefährdet. Er wirkte völlig niedergeschlagen und resigniert.

Ich besprach jetzt mit ihm einen ganz speziellen Plan, der in mir während des Gespräches reifte. Er war außergewöhnlich intelligent und einsichtig, aber ohne einen Beweis für sein Umfeld, würde niemand dies glauben und ihn auf dieses Gymnasium schicken. Genau das erklärte ich ihm. Und den Plan wollte ich ihm unter Hypnose erläutern und besprechen. Ich holte seine Mutter dazu und sie stimmte, wenn auch mit viel Skepsis, zu.

Beim nächsten Hypnosetermin zeigte ich Noah nun, dass er wirklich überdurchschnittlich begabt ist. Ich zeigte ihm aber auch, dass diese Eigenschaft ein Geschenk Gottes ist und, dass es extrem traurig sei, wenn er dies „verkommen“ lasse, wie bei einem musikalisch Hochbegabten, der erklärt, er habe keine Lust ein Musikinstrument zu lernen, das sei ihm zu anstrengend. Er begann zu erkennen, dass er zuerst den versäumten Stoff mit Hilfe von sporadisch eingreifenden Nachhilfestunden aufarbeiten müsse und dann seine Lehrer bitten solle, für ihn eigene Klassenarbeiten zusammenzustellen, um zu zeigen, dass er den gesamten versäumten Stoff mit den Monaten aufgeholt habe.

Schon unter der ersten Hypnose begann er sich für diesen Weg zu begeistern. Wir führten diese „Gespräche“ noch für zwei weitere Hypnosen in drei-Wochen-Abständen durch, in denen ich ihm dann auch schon durch seine ersten Zwischenerfolge die ersten „Beweise“ zeigen konnte. Jetzt hatte er ein Ziel, er setzte sich wirklich hin und man sah, was wirklich in ihm steckte. Auch seine Mutter bemerkte es und hatte dann doch die nötigen Gespräche mit den Lehrern übernommen, die dankenswerterweise hier wunderbar mitzogen. Noah hatte innerhalb von fünf Monaten Anschluss an sein Klassenniveau gefunden, die vereinbarten Tests ausgesprochen gut geschafft und somit bewiesen, dass das Test-Ergebnis für seine Hochbegabung gerechtfertigt war.

Er kam dann ungefähr alle drei Monate vorbei, um sich einen „Motivations- und Kraftschub“ über die Hypnose zu holen und hatte inzwischen auch durch seine Leistungen und Motivation die Aufnahme für ein Hochbegabtengymnasium geschafft. Ein Beitrag von Heidemarie Steinegger, Hochstr. 27, 64743 Beerfelden, Olfen Tel. 06068/7598715, 0176/24005332 www.hypnosepraxis-steinegger.de