Heilsames Arbeiten mit Ton

Gleichmäßig dreht sich die Töpferscheibe und allmählich entsteht aus dem unförmigen Klumpen mithilfe von Wasser und den formenden Händen ein formschönes Gefäß, das nach einer ausreichenden Trocknungsphase gebrannt wird. Fasziniert schauen die Kinder der Keramikmeisterin und Kunsttherapeutin Heidi Käss zu, die sich seit ihrer Kindheit für das Arbeiten mit Ton begeistert.

„Nur beim Ton finde ich die vier Elemente: Ich forme die Erde, Wasser unterstützt den Formgebungsprozess, ich lasse die Stücke an der Luft trocknen und übergebe sie dann dem Feuer. Kein anderes Material spricht den Menschen so unmittelbar an wie der Ton“,

erklärt die gebürtige Heilbronnerin, die sowohl Kindergeburtstage ausrichtet wie auch Kurse für Kinder und Erwachsene und bereits seit mehreren Jahren die Kunsttherapie im Angebot hat. Gerade das regelmäßige Arbeiten mit Ton sowohl beim freien Plastizieren als auch beim Drehen auf der Scheibe hat heilsame Wirkung, was im digitalen Zeitaltern, bei dem die Grunderfahrung von

„Begreifen“ und „Berühren“

sehr oft zu kurz kommt, wie Balsam auf der Seele ist. Beim freien Tonen lassen sich Figuren formen und damit Erfahrungen und Emotionen ausdrücken. Der Tonende kommt dabei in den Kontakt mit der Natur, der Erde und somit zu sich selbst. Es geht weniger um das Ergebnis, als um den Schaffensprozess. „Wichtig ist, dass die Kinder aus sich heraus Dinge entstehen lassen können, die wertfrei sind. Ganz nach dem Motto: Hier bin ich Mensch, hier kann ich sein!“, erklärt die Keramikmeisterin, die im nächsten Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiern wird. Und auch das Töpfern auf der Scheibe erfordert Konzentration und eine Konstanz. Erst wird der Tonklumpen geschlagen und geknetet.

Dann wird er mit beiden Händen auf der sich bewegenden Scheibe zentriert indem beide Arme an den Oberschenkeln fest abgestützt sein und die Hände ruhig gehalten werden. Dieses Drehen an der Scheibe erfordert sowohl Kraft als auch Ruhe und Konzentration.

„Beim Zentrieren des Tons auf der Töpferscheibe geht es darum, die Zentrifugalkraft zu überwinden. Die Hände müssen Druck ausüben, damit das geschehen kann. Bei der Arbeit mit hyperaktiven Kindern an der Töpferscheibe ist es immer wieder Thema, den Druck wohldosiert auszuüben. Wenn ich zu viel Druck ausübe, gerät der Tonkloß aus der Mitte, drücke ich zu wenig, dann passiert auch wenig. Dieses Herantasten an die richtigen Druckverhältnisse ist für die Kinder eine gute Übung“,

so die Künstlerin, die bereits als 14-Jährige eine Frau am der Töpferscheibe arbeiten sah und wusste:

“Das ist mein Ding!“

Sie belegte daraufhin Töpferkurse um dann nach ihrem Abitur eine Töpferlehre zu absolvieren. Nach abgeschlossener Lehre arbeitete sie im Schwarzwald sowie in Südfrankreich, was ihre Liebe zur Grande Nation vertiefte. Es folgte die Meisterschule in Landshut und mit 30 schließlich die Ausbildung zur körperorientierten Kunsttherapeutin. Parallel dazu besuchte sie die Heilpraktikerschule und schloss mit dem „Heilpraktiker für Psychologie“ im Januar 2005 ab. Seither bietet Heid Käss sowohl in ihren eigenen Räumlichkeiten mit wunderbarem Ausblick auf den Trappensee Kurse sowie Kunsttherapie für Kinder und Erwachsene an als auch an zwei Heilbronner Schulen.

„Mich begeistert immer wieder, wie beim Arbeiten mit dem Ton die Kinder voller Konzentration bei der Sache sind und Dinge von eigener Schönheit entstehen.“

Infos:

Heidi Käss,
Jägerhausstraße 159,
74074 Heilbronn,
Tel. 07131/ 162270,
www.tonundtherapie.de