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„Kräh, kräh, kräh! Kräh, kräh, kräh“! Schon mal gehört?

Hast du es auch verstanden? Ob du mir es glaubst oder nicht, aber unsere Sprache ist nicht nur ein Gekrächze. Auch wenn ihr Menschen das oft so empfindet! Die Vogelforscher sagen, dass wir mit den Singvögeln verwandt sind. Also mit unseren Lautäußerungen tauschen wir Informationen aus, so wie ihr das macht. Ich will Euch mal ein paar Beispiele nennen: „Hey, das ist mein Revier“, oder „hier gibt es für alle etwas Nahrhaftes“. Aber auch „Achtung, Gefahr, ein Habicht kommt“. „Kräh, kräh.“

Hey, kennst du mich überhaupt? Ich bin eine Rabenkrähe. Mein Name ist Rahel, die Rabenkrähe. Viele haben es schon selbst bemerkt. In den letzten Jahren bin ich in den Siedlungen häufiger zu sehen. Genauso hat es sich bei Schatka, der Saatkrähe und Elfriede, der Elster zugespielt. Wir sind sozusagen umgezogen. Von der freien Landschaft in die Dörfer und Städte. Warum, fragst du? Weil wir dort viel ein-

facher Nahrung finden. Und weil niemand auf uns schießen kann. Außerdem gibt es dort große Bäume, auf denen wir unsere Nester bauen können. Mehr brauchen wir gar nicht. Okay, ich weiß, viele Menschen mögen uns nicht. Ich frage mich oft, warum das so ist. Weil wir Rabenvögel sind? Weil wir schwarz sind? Weil wir nur krächzen? Oder weil wir auch andere Nester plündern? Ich glaube, dass viele Menschen uns zu Unrecht beschimpfen. Wir Rabenvögel sind ein Teil der Natur. Wie die Menschen. Wir sind auch so etwas wie eine Gesundheitspolizei. Wenn wir überfahrene oder tote Tiere fressen, können sich weniger Krankheiten verbreiten. Wer sich also näher mit uns beschäftigt, bekommt einen anderen Blick für uns schwarze Gesellen.

Ich will Euch dazu eine Geschichte erzählen. Vor zwei Jahren haben wir in dem alten Birnbaum an der Straße gebrütet. Übrigens, an der Straße ist es ganz ruhig. Also, aus unserer Sicht gibt es dort so gut wie keine Gefahren. Der Lärm stört uns ganz und gar nicht. Es war in der Zeit als wir unsere vier Kleinen im Nest hatten. In einer Nacht gab es einen Sturm. Dabei fiel am frühen Morgen ein Junges aus dem Nest. Es dauerte nicht lange, da kam ein Kind vorbei, das auf dem Weg zur Schule war. Das Kind ging nicht achtlos an der kleinen Rabenkrähe vorüber.

Das Kind nahm den Kleinen mit und fütterte und pflegte die kleine Krähe. Die Wochen vergingen und das Junge wurde groß und immer größer. Bis es im Sommer ausgewachsen war. Die von den Menschen aufgezogene Krähe war sehr zu-

traulich und verspielt. Dabei kam es immer wieder zu uner-

freulichen Erlebnissen. Stellt Euch vor: Auf dem Friedhof flog die Krähe an die Köpfe von Besuchern mit Hut. Im Freibad setzte sich die Krähe auf die Köpfe von Kindern und versuchte Pommes Frites zu erhaschen. Kleine Kinder im Kinderwagen wurden regelmäßig angeflogen und erschreckt. Ebenso versuchte die Krähe immer wieder auf dem Kaffeetisch zu landen und ein Stück Kuchen zu stibitzen. Meistens jagte die handzahme Krähe den Leuten nur einen großen Schreck ein. Eines Tages war dann die Krähe nicht mehr da. Entweder ist sie einfach mit anderen Krähen fortgeflogen oder ein böser Zeitgenosse hat sie gefangen. Wer eine Krähe von klein auf kennen lernt, weiß wie klug wir Krähenvögel sein können. Wenn wir aber handzahm werden und uns an den Menschen gewöhnt haben, kommen damit auch die Probleme.
Ich könnte dir stundenlang solche Geschichten über uns erzählen. Anschließend würdest du die Rabenvögel mit ganz anderen Augen sehen. Ach, da fällt mir gerade noch was ein. Wir bauen jedes Jahr einen neuen Horst. Erst beginnen wir mit gröberen Stöcken, dann Ästchen und schließlich suchen wir etwas Weiches zum Auspolstern.

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Hey, versuch doch mal in einem niedrigen Baum mit wenigen Stöckchen eine Nestgrundlage zu bauen. Du wirst dich ganz schön wundern. Dabei haben wir keine Hände. Wir haben nur zwei Füße und einen Schnabel. Also, ich wollte dir noch be-

richten, dass unsere alten Nester nicht einfach vergammeln. Es gibt da Nachmieter. Tom, der Turmfalke und Waldtraud, die Waldohreule oder Barthel, der Baumfalke brauchen unbedingt unsere alten Nester. Diese Vogelarten können selber kein Nest bauen. Die sind also auf uns angewiesen! Na, wie findest du das?

So, jetzt kennst du mich ein bisschen besser. Ich muss weiter, Futter suchen.

 

Viele Grüße von Rahel, der Rabenkrähe