Hallo und guten Tag,

Hallo, ich bin Rohana, die Große Rohrdommel. Du darfst mich jetzt im Schilf suchen! Viel Erfolg! Rechts steht ein Graureiher, den kennst du sicher.  Da findest du mich: Über der schwimmenden Tafelente in der Bildmitte im grünen Schilf. Hast du mich?

 

 

 

Ein Naturfotograf hat mich im Winter in den Rheinauen mit meinem Freund Konrad, dem Kormoran erwischt. Er jagt ebenso gerne Fische wie ich. Allerdings fange ich auch Kröten, Frösche und Mäuse. Und vieles andere, was mir sonst noch so vor den Schnabel kommt.

Hallo und guten Tag,

ich freue mich, dass du meine Geschichte lesen möchtest. Die ist spannend und interessant. Ach so, vorstellen muss ich mich noch: Ich heiße Rohana, die Rohrdommel, die „Große Rohrdommel“. Wenn ich als groß bezeichnet werde, dann deshalb, weil es bei uns noch eine kleine, nämlich die Zwergrohrdommel gibt, die auch einfach nur Zwergdommel genannt wird. Ich nehme mal an, dass du mich weder kennst, noch dass du mich schon mal im Gelände gesehen hast. Liege ich da richtig?

Wenn du mich suchen möchtest, musst du große weite Sumpflandschaften aufsuchen. Landschaften mit viel Schilf, mit richtig viel Schilf! Leider sind viele solcher nasser Lebensräume inzwischen verschwunden, sprich trocken gelegt und werden als Ackerflächen genutzt. Dieser Zustand macht mir das Überleben schwer. Jetzt aber zu mir. Ich bin etwas kleiner als ein Graureiher, den kennst du doch sicherlich? Mein dicker Hals fällt auf. Meine Grundfarbe ist schilfbraun, mit dunkelbraunen und schwarzen Flecken. Auf den Bildern siehst du ganz gut meine Tarnfärbung. Meine Tarnung erhöhe ich noch, wenn ich mich, bei Gefahr, in einen Pfahl verwandle. Ganz ruhig stehe ich dann da und strecke meinen Hals senkrecht nach oben. Ein leichtes Hin- und Herschwanken im Wind, so wie das Schilf und ich bin perfekt unsichtbar.

Ich hatte im vorletzten Winter ein Erlebnis mit einem Fuchs. Er streifte am trockenen Rand zwischen Schilf und Wasser entlang und schnüffelte mit seiner Nase am Boden. Ich bemerkte den Fuchs rechtzeitig, nahm die Pfahlstellung ein und verhielt mich ganz ruhig. Der Fuchs lief tatsächlich in einem Abstand von zwei Metern an mir vorbei, ohne mich zu bemerken! Puh, das war noch einmal gut gegangen! Eine weitere Gefahr bringt auch der jagende Habicht mit sich. Dieser große Greifvogel kann auch mal eine kleinere Rohrdommel erbeuten. Es ist zwar recht selten, aber man weiß ja nie. Deshalb muss ich, wenn ich am Schilfrand nach Amphibien, also nach Fröschen und Kröten, suche, immer sehr aufmerksam sein. Der Habicht kommt dann ziemlich schnell angeschossen. Entweder kommt er als Überraschungsjäger über das Wasser oder am Schilfrand entlang angesaust. Übrigens, früher als es noch überall Schilf gab, war ich häufiger und wurde auch Moorochse genannt. Mein dumpfer nebelhornartiger Ruf im Frühjahr gab mir den Namen. Das tiefe „u – ump – u – ump“ hört man mehrere Kilometer weit. Willst du meinen Ruf nachmachen? Nimm eine leere Flasche, setze sie an der Unterlippe an und blase gefühlvoll in die Öffnung. Und schon ahmst du eine Große Rohrdommel nach. Cool, oder?

Ein größeres Problem gibt es für uns Dommeln, wenn es im Winter richtig, richtig kalt wird. Vor allem, wenn es schnell und überraschend kalt wird. Das kann sich so auswirken: Die Ge-wässer sind zugefroren und eine geschlossene Schneedecke hat die Landschaft überzogen. Dann müssen wir im schlimmsten Fall verhungern, weil das Futter nicht mehr erreichbar ist. Manche von uns ziehen im Herbst auch mal in den Süden. Die meisten davon überwintern am Mittelmeer. Wenige fliegen sogar auf den afrikanischen Kontinent, um den Winter dort zu verbringen. Oh, da fällt mir gerade eine spannende Geschichte aus der Brutzeit im Frühjahr ein. Aber lass mich noch schnell etwas Anderes erwähnen: Wenn die Rohrdommeln im März oder im April zurückkommen, dann treffen sich einige in den Schilfgebieten. Dort stärken und ruhen wir uns aus. Wenn wir weiterziehen wollen, dann veranstalten wir einen gemeinsamen Abflug. In der Abenddämmerung steigen wir aus dem Schilf auf, drehen gemeinsam ein paar Runden und verschwinden in der Dämmerung, mit dem Ziel das Brutgebiet möglichst schnell zu erreichen. Nun die Geschichte: Mein Mann hat mir im Frühjahr drei unfertige Nestplattformen gebaut und angeboten. Alle drei waren im Schilf gut versteckt. Die erste war auf einem alten, vertrockneten Horst einer Segge. Die zweite war auf alten umgefallenen Schilfstengeln gebaut und die dritte war frei schwimmend aus Seggen- und Schilfhalmen zusammengefügt. Ich hab mir die dritte Plattform ausgewählt und das war auch gut so; denn im Mai gab es ein Hochwasser! Viele Gelege von Vögeln, die im Schilf leben und brüten, wurden geflutet. Nicht aber unser schwimmendes Nest. Nachdem ich es von meinem Mann übernommen hatte, wurde es vom mir verstärkt und weiter ausgebaut. Als das Hochwasser kam, lagen vier Eier im Nest. Weil das Nest frei war, konnte es mit dem Hochwasser in die Höhe steigen. So sind die vier kleinen Rohrdommeln geschlüpft und konnten dann fünfzig Tage im Nest verbringen. Anschließend kletterten sie durch den Schilfwald und lernten von mir das Klettern und das Futter suchen. Ähm, ich muss jetzt Schluss machen, denn ich habe Hunger bekommen.

Viele Grüße Deine Rohana, die Große Rohrdommel

Ein Beitrag von Ralf Gramlich, Orni-Schule, Schomberg, 75050 Gemmingen, Fon 07267/83 83, www.ORNISchule.de