Hallo, ich bin Waldo, der Wanderfalke. Vor ein paar Minuten habe ich eine Taube gefangen und werde diese jetzt verspeisen. In einer rasanten Verfolgungsjagd habe ich die Taube fangen können. Foto: Ralf Gramlich 

 

 

Hier siehst du mich in voller Aktion. Im Sturzflug sause ich herab. Aber nicht um eine Taube zu fangen, sondern um meinem Weibchen zu imponieren.  Foto: Matthias Schäf  

 

Hallo liebe Greifvogel-Freunde,

ich schreibe euch heute aus 300 m Höhe. Bin gerade auf einem Jagdflug und drehe weit oben am Himmel meine Kreise. Schau mal hoch! Siehst du mich? Ich halte hier oben Ausschau nach meinem Essen. Vielleicht sehe ich eine Ringeltaube, eine Misteldrossel oder eine Feldlerche?  Ach, ich vergaß mich vorzustellen, mein Name ist Waldo, der Wander falke. Ich gehöre zur Familie der Greifvögel und zur Gruppe der Falken. Hey, da hätte ich gleich eine Bitte: Sag bitte nicht mehr Raubvogel zu mir, denn die Greifvögel rauben nichts. Wir greifen Beutetiere, wie der Marienkäfer eine Blattlaus fängt. Das machen alle Tiere, denn schließlich haben wir Hunger. Du musst ja heute nicht mehr auf die Jagd gehen, um ein Wildschwein zu fangen. Das macht alles der Metzger für dich. Du brauchst dein Essen nur noch aus der Kühltheke zu nehmen und zu bezahlen. Für uns ist es aber gar nicht so einfach das Essen zu besorgen. Wusstest du, dass ich etwa zehnmal versuchen muss ein Beutetier zu fangen, bevor es beim elften Mal dann endlich klappt? Tom, dem Turmfalken ergeht es genauso, er braucht etwa zehn Versuche, bevor er eine Maus zwischen seinen Krallen hat. 

Hast du mich eigentlich schon mal beobachtet? Nein, aber du hast bestimmt schon von mir gelesen, oder? Über mich schreibt man, dass ich das schnellste Tier sei. Bei meinem Sturzflug nach einem Beutetier lege ich die Flügel an und sause nach unten durch die Luft. Es wird geschrieben, dass ich fast 400 km schnell sei. Das kann ich fast selbst nicht glauben. Aber ich kann es auch nicht messen. Mir ist es auch egal wie schnell ich bin, Hauptsache, ich kann die Ringeltaube aus dem Schwarm erwischen und meinen Hunger stillen.

Übrigens stehen die Chancen heute nicht schlecht mich tatsächlich zu beobachten. Vor vierzig Jahren wäre dies fast unmöglich gewesen. Da waren die Wanderfalken fast ausgestorben. Was war der Grund? Die Greifvögel wurden abgeschossen oder ausgehorstet, also die Jungvögel aus dem Horst genommen. Das Schlimmste aber waren dünne Eierschalen, die beim Brüten zerbrochen sind. Das kam durch Spritzmittel zustande, die von den Menschen im Wald und auf dem Acker ausgebracht wurden. Daraufhin wurden die Greifvögel unter Natur-schutz gestellt. Und die Vogelschützer haben die Horste der Wanderfalken rund um die Uhr bewacht und beschützt. So gibt es inzwischen wieder mehr Wanderfalken als je zuvor. 

Aber jetzt muss ich dir vom nächsten Problem erzählen. Es ist der Uhu. Auch der Uhu, der Uwe gerufen wird, wurde in den letzten Jahren wieder häufiger, nachdem auch er fast verschwunden war. Ok, das ist eigentlich eine erfreuliche Geschichte, wenn da nicht die Liebe zu uns Wanderfalken wäre.

Ja, so eine richtige Liebe ist es natürlich nicht, wir sind halt ein gutes Futter für den Uhu. Ihr wisst, dass der Uhu in der Dämmerung und nachts auf die Jagd geht. Tja, dann sieht er uns in der Felswand sitzen und zack, weg sind wir! 

Ähm, noch etwas Interessantes von mir: In den großen Städten gebrauchen uns die Menschen, um die vielen Haustauben in Schach zu halten. Oder auf den Flughäfen sollen wir jagen, damit es weniger Vögel auf dem Flugplatz gibt, die dann mit den startenden oder landenden Flugzeugen zusammenstoßen können. 

Hey, schon bemerkt? Ich bin immer noch oben und ziehe meine Kreise. Da unten auf den Ackerflächen sehe ich einen ganzen Schwung voll Bachstelzen. Da will ich mal einen Versuch starten. Und los geht’s! 

Also bis dann und haltet die Augen nach oben gerichtet …

Euer Waldo, der Wanderfalke