Freie Schule Anne-Sophie


„Das besondere an der Freien Schule Anne-Sophie ist, dass man hier frei lernen kann und wir hier eine eigene Sport- und Schwimmhalle haben.“ „Bei uns gibt es keine Klassenzimmer sondern Lernhäuser, keine Lehrer sondern Lernbegleiter und wir sind keine Schüler und Schülerinnen sondern Lernpartner.“ „ Toll ist auch, dass ich mit entscheiden kann, wann ich meine Lernziele erreiche“. „Hier können die Kinder sowohl auf die Hauptschule als auch auf die Realschule oder ans College gehen, um das Abitur zu machen. Außerdem gibt’s bei uns eine Mensa, eine Bibliothek und einen großen Pausenhof,“ so beschreiben die Kinder der Primarstufe ihre Freie Schule Anne-Sophie, die in Künzelsau im Stadtteil Taläcker inmitten von Wäldern liegt.

Die Freie Schule Anne-Sophie wurde 2006 von Bettina Würth, der Vorsitzenden des Beirats der Würth-Gruppe gegründet, um damit das Andenken an ihre Tochter Anne-Sophie zu bewahren, die 1998 im Alter von neun Jahren verunglückte. „Jedes Kind soll die Freie Schule Anne-Sophie als Gewinner verlassen!“ Diesen Wunsch gibt Bettina Würth den Kindern mit auf den Weg.
„Lernen soll Spaß machen, es soll bedeuten, jeden Tag etwas Neues zu entdecken und Antworten auf viele Fragen zu erhalten. Es soll unsere Kinder auf das Leben vorbereiten und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Stärken zu entdecken und Schwä-

chen auszugleichen. Daher ist der oberste Grundsatz unseres pädagogischen Konzepts, eine gute Schule für Kinder zu machen und nicht umgekehrt. Jedes Kind ist von Geburt an neugierig – ist ein kleiner Forscher, der sich diese Welt neu erschließt. Es geht diese Lebensaufgabe mit ungeheurer Energie und großem Wissensdurst an. Vorausgesetzt, wir geben ihm dafür den erforderlichen Raum und Lernmittel, die diesen selbständigen Forschergeist unterstützen. Dieser Leitgedanke spiegelt sich auch in der Architektur wieder. Ein Haus des Lernens soll ein Zuhause sein für gemeinsames, individuelles, zielorientiertes und entspanntes Lernen. Der Campus bietet somit eine moderne und lernfreundliche Umgebung, die die natürliche Lust der Kinder am Lernen fordert und fördert,“ so formuliert Bettina Würth, die mit der Gründung der Schule einen Ort schaffen möchte, an dem Kinder nicht übersehen werden. Die Form folgt der Funktion: An diesem anerkannten Gestaltungsgrundsatz orientiert sich auch die Architektur der Freien Schule Anne-Sophie.

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übernimmt er zentrale Funktionen für die gesamte Lerngruppe und jeden einzelnen Lernpartner – als Beobachter, Impulsgeber und Mitverantwortlicher für das Lernklima. Er bietet auf Anfrage Hilfe an, führt Beratungsgespräche und organisiert weiterführende Lernschritte,“ erklärt die Leiterin der Primarstufe Lien Van Aerde.
„Über alle Altersstufen hinweg lernen und leben die Lernpartner in altersgemischten Gruppen. In diesen altersgemischten Gruppen kann jeder Lernpartner sein individuelles Lerntempo entfalten. Dieses Mit-und-voneinander-lernen steht bei uns im Mittelpunkt. Wir bekommen häufig Rückmeldung von Eltern, die berichten, dass sich ihre Kinder mit anderen Kindern treffen, die jünger oder älter sind.”

„In der Sekundarstufe sind nicht 5 Alterstufen in einem Lernhaus, sondern 3 Jahrgangsstufen bzw. in Fächern wie Mathematik sind es nur 2 Jahrgangsstufen, zumal wir hier die Haupt- und Realschüler und Gymnasiasten gemeinsam unter-richten,“ erklärt Gesamtschulleiterin Angelika Schmidt, für die das Lächeln der Beginn des respektvollen Umgangs miteinander ist. „Unsere Kinder kommen aus dem Raum Künzelsau, Schwäbisch Hall, Heilbronn und Bad Mergentheim. Die Eltern bilden Fahrgemeinschaften oder die Kinder nutzen den öffent-lichen Nahverkehr.
Die Lernpartner verweilen zu festen Zeiten in der Schule. In diesen Zeiten sind sie entweder im Input, im Lernatelier, im Coachinggespräch mit einem Lernbegleiter, in einer der Werk-

stätten oder zu besonderen Lernanlässen außerhalb des Schulgeländes. Die Anwesenheit der Lernpartner beginnt in der Regel morgens um 8.15 Uhr und endet in der Primarstufe um 15.30 Uhr und in der Oberstufe um 15.45 Uhr. Die halbe Stunde vor Beginn der Lernarbeit ist als flexible Ankunftszeit gestaltet. So haben die Lernpartner zunächst Gelegenheit, sich untereinander über Neuigkeiten auszutauschen und auf die Lernarbeit vorzubereiten.

Die Lerninhalte orientieren sich am Bildungsplan von Baden-Württemberg. Das Lernen an der Freien Schule Anne-Sophie findet anhand von Anregungen im Input, Clubangeboten, Trainings- und Übungseinheiten und eigenen Lernzeiten im Lernatelier statt. In den Hauptfächern findet ein «Input» von maximal 30 Minuten Dauer statt. Dieser soll dem Lernpartner den Zugang zum Thema erschließen. Wichtig ist uns dabei, dass es uns gelingt, während dieses „Inputs“ die Faszination der Kinder für ein Thema zu wecken.

An den Mittwoch Nachmittagen, die normalerweise frei von Unterricht sind, bieten wir

Dies schließt neben der reinen Funktionalität auch ästhetische Aspekte mit ein. Denn die angemessen gestaltete Umgebung ist ein zentraler Pfeiler des reformpädagogischen Lernkonzepts an der Freien Schule Anne-Sophie. Sie soll das autonome Lernen begünstigen und gleichzeitig den «Lernort Schule» zu einem «Lebensort Schule» erweitern. Die einzelnen Gebäude sind so angeordnet, dass sie aus jedem Raum den freien, unverstellten Blick in die Umgebung erlauben. Das Umfeld wird damit zu einem festen Bestandteil der Wahrnehmung jedes Lernpartners und jedes Lernbegleiters. Nicht eremitische Abgeschiedenheit, sondern Aufgeschlossenheit für die Umwelt soll das Bewusstsein aller Akteure prägen. Dank der durchdachten Gebäudeanordnung sind alle Einrichtungen der Freien Schule Anne-Sophie auf kurzen Wegen und barrierefrei erreichbar. Lebens- und Lernmittelpunkt sind die Lernateliers der Lernfamilien und Lernteams. Dies sind weder Klassenzimmer im herkömmlichen Sinn, noch Spielzimmer. Die flexiblen Raumzonen der Lernateliers bieten vielmehr Raum zur freien Stillarbeit und vernetzten Unterricht in Gruppen, aber auch zur Entspannung.
„Unsere Grundschule bezeichnen wir als Primarstufe. Die Primarstufe umfasst 4-5 Stufen, d.h. entweder die Kinder kommen mit 5 Jahren zu uns und besuchen die Vorschule oder sie beginnen mit der 1. Stufe. In der Primarstufe gibt es vier Lernhäuser, die man sozusagen als Minigrundschule sehen kann. Jedes Lernhaus besteht aus einem Raum mit Mathematerialien, einem mit Deutschmaterialien und einem Raum mit Sachthemenmaterialien. Es gibt Platz zum Experimentieren, eine Bauecke, ein Rollenspielzimmer, eine Kunstecke und eine Leseecke. Getreu unserem Motto der Gestalteten Umgebung ist jedes Lernhaus sowie auch die gesamte Schule klar strukturiert. An einem Vormittag in der Woche besuchen alle Lernpartner eines Lernhauses das Lernhaus Little England. Hier finden alle Aktivitäten  auf Englisch statt. In  jedem Lernhaus sind 4-5 Lernbegleiter, die jeweils 12-14 Kinder in ihrer Lernfamilie haben, um die Schüler, die wir bei uns als Lernpartner bezeichnen, zu begleiten. Zudem hat jeder Lernende einen persönlichen Coach als Ansprechpartner, der ihm in allen Lern- und Lebensfragen zur Verfügung steht. In diesen Gruppen wird Lehren und Lernen zu einem gegenseitigen Prozess. Hier vollziehen sich auch Aktivitäten, wie soziales Lernen und das gemeinsame Mittagessen. Der Lernbegleiter an der Freien Schule Anne-Sophie ist keine autoritäre Person, nach der sich alle Lernpartner richten, vielmehr

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den Abschlussklassen die Möglichkeit, sich gezielt auf die Prüfung vorzubereiten. Hier können Fragen geklärt und Themen vertieft werden. Getreu dem Motto des Philosophen Ernst Bloch: „Ins Gelingen verliebt sein nicht ins Scheitern“ betrachten wir das Kind nicht unter dem Blickwinkel: Was kann es nicht, sondern was kann es. Wir versuchen, seine Stärken zu fördern und es in seinen Schwächen zu unterstützen. Das ist ein völlig anderer Ansatz,“ berichtet die engagierte Gesamtschulleiterin weiter. „ Wir schauen, was das Kind kann, und wie es Strategien entwickelt, um sich Dinge zu erarbeiten und selbst Verantwortung zu übernehmen. Es wird begleitet in seinem Tun und erhält Unterstützung, wenn es nötig ist. Da gibt es große Unterschiede: Der eine braucht viele Lernbrücken und beim anderen sind weniger erforderlich. Das Schöne an unserer Schule ist, dass jedes Kind seinen Coach oder Lernbegleiter hat, der der erste Ansprechpartner ist und regelmäßige Coachgespräche führt. Es hat neben seinem persönlichen Begleiter viele andere Möglichkeiten, um Beziehungen aufzubauen oder die Eigenschaft zu suchen, die es in diesem Moment braucht. Falls ich beispielsweise Probleme mit meinem Coach habe, kann ich auch den Coach wechseln ohne dass dadurch Schwierigkeiten entstehen,” ergänzt Lien Van Aerde.
„Wenn ich mich manchmal auf den Weg durch unsere Schule begebe, dann begegne ich den Lernpartnern, die sich an den kleinen Tischen vor der Bibliothek zusammen gesetzt haben, ich sehe durch die Fenster in die Lernateliers, ich komme mit Kindern und Kollegen auf dem Schulgelände ins Gespräch, gehe in die Lernhäuser und ich spüre die Kreativität und knisternde Anspannung nachdenklicher Kinder an ihrem Arbeitsplatz. Stets begegnet mir ein Lächeln, immer wieder werde ich in ein Gespräch eingebunden, darf mitdenken, werde um Rat gefragt und darf mich einklinken in die vielen kleinen Freuden des Tages. Getragen von so viel Energie und begeisternden Momenten komme ich in mein Büro zurück und jedes Mal habe ich das Gefühl von tiefer Freude und Dankbarkeit,“ beschreibt die sympathische Gesamtschulleiterin abschließend.

 

Infos: Freie Schule Anne-Sophie
in Trägerschaft der gemeinnützigen Stiftung Würth, Lipfersberger Weg, 74653 Künzelsau-Taläcker,
Tel. 07940 / 931 13 – 0