Ein Nachmittag in der Montessori-Spielraumgruppe in Heilbronn

Kaum ist die Begrüßungsrunde zu Ende, springt Juli zum Instrumentenkorb und schnappt sich die Rasseln, Joshua musiziert mit den Klanghölzernund Hannah schlägt die große Trommel. Ihr kleiner Bruder Theo, der zuvor noch die gleichaltrige Juli im Puppenwagen durch den Spielkreis geschoben hat, schlägt das Tamburin, während die Gruppe „Alle Vögel sind schon da“ singt.Denn das gehört zum allwöchentliche Ritual der Montessorispielraum-gruppe, die sich einmal wöchentlich im ASB Mon-tessorihaus in der Heilbronner Gellertstraße trifft. „Bis alle Kinder und ihre Mütter hier eingetroffen sind, dürfen die Kinder frei spielen. Sind alle angekommen, folgt unsere gesungene Begrüßungsrunde um danach mit den Instrumenten unsere Lieder zu begleiten,“ erklärt die Montessoripädagogin Rosi Bender, die seit mehreren Jahren mit Begeisterung die Spielraumgruppe leitet. „Mich hat schon immer die Pädagogik Maria Montessoris angesprochen, die sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert und ihnen den Freiraum bieten, sich mit dem zu beschäftigen, was sie möchten.“

Nach der Begrüßung steht jede Woche ein speziel-les Thema im Mittelpunkt. An dem heutigen Don-nerstag sind es sämtliche Spielsachen zum Ziehen und Schieben. Juli schnappt sich die Holzente, zieht sie die Rampe nach oben und lässt sie wieder nach unten fahren. Joshua bevorzugt das kleine Holzau-to, mit dem er seine Runde über den Teppich dreht.

“Heute geht es ganz um das Thema „Bewegung.“ Durch das Ziehen und Schieben werden die Muskeln der Kinder gestärkt. Letzten Donnerstag haben wir uns mit dem Bauen beschäftigt. Es wurden Holz-bauklötze, weiche Schaumstoffklötze sowie Becher gestapelt. Die Kinder durften Türme, Häuser und Zäune für die Tiere bauen. Wichtig dabei ist, dass

den Kindern ganz unterschiedliche Materialien an-geboten werden, um die Sensibilität sowie die Fein-motorik der Hände anzuregen,“ so die Montessori-pädagogin weiter, die mit ihren Vorschlägen eine Anregung gibt, diese aber von den Kindern ganz nach ihren Fähigkeiten umgesetzt werden darf. So ist es auch kein Problem, dass der ein einhalbjährige

Theo lieber mit den Tieren spielt, die auf der Fenster-bank aufgereiht stehen. Er ist ganz vertieft ins Spiel,

während Juli mit Hingabe in dem Plantschbecken ohne Wasser mit Sand spielt. Es herrscht eine ruhi-ge, entspannte Atmosphäre, in der jedes Kind mal für sich, mal zusammen spielt. Getreu der Montes-soripädagogik dürfen die Kinder in der Regel selbst aussuchen, mit was und mit wem sie spielen. Sie geht davon aus, dass Kinder, die in ihrem eigenen

Rhythmus und den eigenen Interessen folgend ler-nen, Selbstvertrauen und Selbstständigkeit erlernen und so das Gelernte am besten verinnerlichen.

Die vorbereitete Umgebung, die dem Kind Lernreize bieten soll, spielt auch in der wöchentlichen Montes-sorispielraumgruppe eine zentrale Rolle. Nicht das Kind soll sich der Umgebung anpassen, sondern die

Umgebung sollte dem Kind angepasst werden, wo-durch die Umgebung befreiend und nicht formend

wirkt.

So ist der Montessoriraum in verschieden Bereiche aufgeteilt: Ein Bereich für Sprachmaterial, ein Be-

reich für Materialien des täglichen Lebens, ein Be-reich für Mathematik etc. Dies dient auch der Ord-nungsliebe des Kindes. Die Regale sind offen und allen jederzeit zugänglich. Von der Höhe entspre-chen sie der Größe der Kinder. Tische und Stühle können vom Kind selbst transportiert werden, so dass es den Raum aktiv mit- und umgestalten kann. Ist die Umgebung gut vorbereitet, findet das Kind zu selbsttätigem Tun und zur Selbstständigkeit. Die Persönlichkeitsentwicklung kann so Schritt für Schritt aufgebaut werden. „Um ungestörtes Arbeiten zu ermöglichen, hat jedes Material seinen festen Platz im Montessorispielraum, an den es auch wie-der zurückgebracht werden muss. Diese äußere Ordnung stellt eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der inneren Ordnungim Kind dar “ , er-klärt Rose Bender und zeigt auf die verschiedenen Teppiche, auf dem sich thematisch geordnet unter-schiedliche Montessoriaterialien befinden, die sich alle durch bestimmte Qualitätsmerkmale auszeich-nen: Neben der ästhetischen Gestaltung fordern sie zur aktiven Auseinandersetzung mit dem Lernge-genstand heraus und regen ganzheitliches Lernen mit allen Sinnen an.

„Ich bin vor allem begeistert, mit wie viel Liebe Rosi den Spielkreis leitet! Zudem spricht mich das Mon-tessorimaterial an,“ freut sich die Mutter von Theo und Hanna, die seit längerem die Spielraumgruppe besucht, die noch Plätze frei hat.

Und auch Frau Meidinger, die stellvertretende Lei-terin des Montessori-Kinderhauses des ASB teilt

diese Begeisterung. „Ich war über lange Jahre in einem evangelischen Kindergarten als Erzieherin tätig und nie ganz zufrieden, da mir immer der pä-dagogische Ansatz gefehlt hat. Als ich dann in Be-rührung mit der Montessoripädagogik kam, war klar:

das ist es!“ freut sich die Erzieherin, die bereits seit den Anfängen vorneun Jahren im Kinderhaus beschäftigt ist. Die ausgebildete Montessoripädago-gin ist davon überzeugt, dass diese Pädagogik dazu beiträgt, die Entwicklung der Kinder zu selbstbe-wussten, selbstständigen Individuen zu fördern. „Hier kann die vorhandene, ursprüngliche Neugierde,

Entdeckungsfreude und Experimentierlust von Kin-dern zur natürlichen Entfaltung kommen. Das ein-zelne Kind in seiner Einzigartigkeit und Individualität steht im Mittelpunkt unserer Arbeit.“

Betreut werden die 25 Kinder im Alter von 3-6 Jah-ren, die nicht nur aus der Stadt Heilbronn sondern auch aus dem Landkreis kommen, von 7:30 Uhr -16:30 Uhr. Das Heilbronner Montessori-Kinderhaus ist eine integrative Einrichtung, in der das päda-gogische Team durch die zeitweise Mitarbeit einer Heilpädagogin und einer begleitenden Hilfe unter-stützt wird. „Eine ritualisierte, wiederkehrende Ta-ges- und Wochenstruktur soll den Kindern Orientie-rung und Sicherheit geben”,  so die stellvertretenden

Leiterin.

Infos: Montessori Kinderhaus,
Gellertstr. 47, Heilbronn, Mo. bis Fr. 7:30 – 13:30 Uhr
verlängerte Öffnungszeiten bis 16:30
Tel. 07131/6426378, Rosi Bender, Tel. 07134/14631