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Montessori – eine Schule, die Spaß macht


Dass Lernen dann am besten funktioniert, wenn es Spaß macht, ist längst kein Geheimnis eingeweihter Hirnforscher mehr. Begeisterung und Schule – dass dies durchaus keine Gegensätze sein müssen, zeigt die Freie Aktive Montessori-Schule Kraichgau seit nunmehr zehn Jahren.

2004 nahm der Trägerverein Lern-Werk e.V. den Schulbetrieb auf, damals im Werkraum der Elly-Heuss-Knapp-Schule in Neckargemünd. Pioniergeist, Mut und Durchhaltevermögen gehören zu einer Schulgründung dazu: Es mussten nicht nur Räumlichkeiten und Ausstattung beschafft, pädagogische Mitarbeiter gefunden und so manche bürokratische Hürde überwunden werden: In den ersten drei Jahren nach der Gründung ist in Baden-Württemberg jede Schule in freier Trägerschaft gezwungen, ohne staatliche Finanzhilfe auskommen. Dank großzügiger Spenden konnte diese Zeit gemeistert werden und die Schule wachsen.
Als die Räumlichkeiten in Neckargemünd zu klein wurden, zog die Schule nach Zuzenhausen um, wo sie im Januar 2010 den Schulbetrieb im ehemaligen Kindergartengebäude der Gemeinde aufnahm.
Mittlerweile besuchen 75 Kinder in den jahrgangsgemischten Altersstufen Primaria (1.-3. Klasse), Sekundaria (4.-6. Klasse) und Tertia (7.-10. Klasse) die Schule, Tendenz steigend.
Die Basis des Schulkonzeptes bildet das Vertrauen auf die inneren Wachstumskräfte des Kindes. Nach Maria Montessori ist Lernen ein Grundbedürfnis des Menschen wie Schlafen, Essen und Trinken. Durch die kindliche Neugier und das Bedürfnis, Erfahrungen zu machen, kann sich das Kind am bes-

ten entsprechend seinem inneren Bauplan entfalten. Hausaufgaben, Noten, Klassenarbeiten sind für diesen Prozess nicht notwendig, jedoch kommt es immer wieder vor, dass Kinder selbst zu Hause ein Projekt vertiefen oder an einer Sache weiterarbeiten möchten. Der Lehrer wird dabei zum Begleiter und Beobachter: Er führt die didaktischen Materialien ein, gibt durch seine eigene Begeisterung für die Lernthemen den Kindern Anregung und begleitet sie in ihrem selbständigen, individuellen Lernprozess.
Zu den Lern- und Arbeitsformen gehören die selbstständige Beschäftigung mit didaktischem Material, insbesondere einer reichen Auswahl an Montessori-Material, das freie Spiel, Projekte, Kurse, Ausflüge etc. In den höheren Stufen finden regelmäßige Praktika statt.
Einen Schwerpunkt der Schule bildet außerdem die Wildnispädagogik. Einmal wöchentlich durch alle Stufen rotierend ein

Waldtag, mehrmals im Jahr mehrtägige Wildnis-camps, das fördert nicht nur die Naturerfahrung, sondern regt auch intensive soziale Prozesse an. Zwei ausgebildete Wildnispädagog-Innen begleiten die Kinder dabei.
Ein solches Konzept erfordert viel Vertrauen vonseiten der Erwachsenen. Maria Montessori formulierte diesen Anspruch u.a. so:  „Der Erwachsene muss […] dem Kind zu seiner Unab-

hängigkeit verhelfen, darf ihm nicht zum Hindernis werden und darf sich ihm nicht bei den für sein Heranreifen wesentlichen Tätigkeiten substitutieren.“
Auch eine intensive Zusammenarbeit mit den Eltern ist dabei wichtig. Der Kontakt zwischen Eltern und Pädagogen wird in regelmäßigen Elternabenden und Elterngesprächen gepflegt. Auf Präsentationstagen und zu anderen Gelegenheiten erhalten die Eltern einen Einblick in die Aktivitäten ihrer Kinder. Statt Noten steht am Ende eines Schuljahres ein ausführlicher Entwicklungsbericht, in den auch Selbsteinschätzungen der Kinder einfließen.
Auch als Mitglieder des Trägervereins sind die Eltern aktiv eingebunden: als Hausmeister, Organisatoren von Festen, zur Pflege der Räumlichkeiten und des Gartens, bei der Herstellung von Montessori-Materialien, bei der Akquise von Spenden und vielen weiteren Aufgabenfeldern. Die Möglichkeiten sind

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vielfältig und jeder Handgriff wichtig: Da die staatlichen Zuschüsse bei weitem nicht ausreichen, um den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten, muss die Schule wie alle privaten Bildungseinrichtungen, ein Schulgeld erheben. Dieses wird so moderat wie möglich gehalten und von der Schulgemeinschaft jährlich in einem basisdemokratischen Verfahren neu ausgehandelt. Ehrenamtliche Mithilfe der Eltern ist daher sowohl Pflicht als auch willkommene Gelegenheit, den Kontakt mit anderen Eltern zu intensivieren.
Zum zehnjährigen Jubiläum werden 2014 nun auch die ersten Abgänger die Schule verlassen: als genehmigte Ersatzschule werden an der FAMS selbst keine Prüfungen abgenommen, die SchülerInnen legen ihren Haupt- bzw. Werkrealschulabschluss als Schulfremde an einer öffentlichen Schule ab. Die ersten Erfahrungen mit der Hauptschulprüfung 2013 waren sehr positiv. Aktuell bereiten sich sechs SchülerInnen auf den Werkrealschulabschluss vor. Die Pläne für danach sind vielfältig und reichen von der Ausbildung bis zum beruflichen Gymnasium.

Infos und Adresse:

Freie Aktive Montessori-Schule Kraichgau,

Hubweg 9, 74939 Zuzenhausen
Telefon 06226/554740, www.montessori-lernwerk.de