Die Kinder des Waldkindergartens am Mühlbach sind auch im Winter der Natur auf der Spur. „Was machen denn die Kinder im Winter im Wald?“, „Es ist doch bestimmt viel zu kalt draußen, oder nicht?“ Diese und noch viel mehr kritische Fragen bekommen die Eltern der Waldkinder gerade jetzt im Winter oft zu hören. Doch alle, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen, wissen, dass dies alles so nicht richtig ist. Kalt ist es im Winter – das ist richtig. Aber gerade der Winterwald ist ein wunderbares Gebiet, um seine Fähigkeiten und Sinne zu schulen.

Was macht den Winterwald so besonders?

Zuerst einmal sieht es ganz anders aus, auf den Bäumen fehlen die Blätter, alles ist eher braun als grün. Die Luft ist viel klarer als im Sommer, man merkt dies, wenn man sie durch die Nase einatmet. Manchmal kann man beim Ausatmen sogar die Luft sehen, wenn diese wieder herauskommt. Wenn die Kindergruppe mor-

gens in den Wald stapft, hören sich sogar die Schritte nach Winter an. Es knistert unter den Füßen wegen der angefrorenen Blätter oder es schmatzt an den Sohlen, weil die Schuhe durch den Matsch quatschen oder der Schnee knirscht bei jedem Stiefelschritt. So fühlt und hört sich alles ganz anders an und bis die Kinder und Erzieherinnen die erste kleine Wanderung bis zum Waldwagen hinter sich haben, gab es schon unglaublich viel zu entdecken und zu besprechen.

Was spielen die Waldkinder im Winter?

Wenn die Kinder nach dem Fußmarsch am Waldkindergartenplatz ankommen, machen sie sich nach einem Morgenkreis im warmen Waldwagen auf die Suche nach einer spielerischen Arbeit, die sie interessiert. Da werden Blätter zu Kunstwerken, Äste zu Baustellen und Matsch zu Murmeln umfunktioniert. Es wandeln sich Wasserspritzer zu Eisskulpturen, Zweige zu Zauberstäben oder Kinder zu Bauarbeitern. Und dabei wird es ihnen wirklich seltenst kalt. Denn die Kinder merken selbst, dass es kälter ist und vermehren deshalb ihre Bewegung. Außerdem sind sie mit Feuereifer dabei und zu 100 Prozent „im Tun“. Dieses spielerische Arbeiten aus eigenem Antrieb hat zur Folge, dass meist nach der ersten halben Stunde Spielzeit das erste Kind schon die Handschuhe ausziehen muss, weil es ja „soooooo sehr schwitzt“!

Es gibt viele unterschiedliche Tage im Winterwald – es gibt regnerische Tage, da können beispielsweise die Regentropfen gefangen werden. Durch die Regentage erwarten die Kinder natürlich auch matschige Tage, die eignen sich allerdings besonders gut, um „Kochwettbewerbe“ zu starten oder aus Erde etwas zu kneten. Die typischsten Tage im Winterwald sind aber natürlich jene, an denen Schnee liegt. An diesen Tagen können die Kinder den ganzen Vormittag mit ihren Schlitten den Berg heruntersausen. Nebenher werden Schneemänner oder Schneefrauen gebaut, teilweise auch Schneegebilde mit Naturfarbe gefärbt. Es werden Eisanhänger gebastelt und damit experimentiert, was die Kälte mit dem Wasser macht. Wenn der Schnee dann schmilzt, dann steigt der Wasserpegel im kleinen Bach, der das Kindergartengelände zur einen Seite abgrenzt. Hier warten dann wieder viele neue Spielideen, im Moment steht „Korkenschiffchen flitzen lassen“ sehr hoch im Kurs. Oben werfen die Kinder ihre Schiffchen in den Bärenbrunnen, weiter unten werden sie wieder herausgefischt. Dieses Spiel kann über eine lange Zeit gespielt werden und auch hier sind die Kinder „der Natur auf der Spur“.

Der Kindergarten im Wald, mitten in der Natur, bietet den Kindern immer wieder etwas Neues. Dadurch wird es nie langweilig und sie können sich jeden Tag aufs Neue aus ihrer eigenen Motivation heraus weiterentwickeln.  Die Natur ist dabei die beste Lehrmeisterin!

waldkindergarten-hassmersheim.de